Und wenn die erste Kerze brennt, … Kult oder Kommerz?

Der Advent vor der TürDieses Wochenende wird magisch: Duftende Tannenzweige, saftige Mandarinen, knackende Nussschalen und leuchtende Kerzenflammen bereichern die Wohnzimmer, dazu ein Becher dampfender Glühwein und sanftes Gedudel im Hintergrund. Viel mehr braucht es nicht für einen besinnlichen ersten Advent. Wie sehnen wir ihn herbei, den Advent: Diese beschauliche Zeit, die doch der Ruhepol sein soll im Vergleich zum actionreichen Sommer.

Auf der Jagd…

Getrieben von diesem Wunsch nach magischen Momenten und innerer Ruhe, die uns diese Adventsklischees versprechen, verirren wir uns in der Jagd. Die Jagd nach geselligen Glühweinrunden an den laut lärmenden Weihnachtsmarktbuden. Die Jagd nach dem perfekten Geschenk für Mitmenschen, denen man nur aus Pflichtgefühl etwas schenkt. Die Jagd nach dem leckersten Plätzchenrezept, das stundenlanges Werkeln in der Küche abfordert, obwohl die Lust schon lang verflogen ist.

…nach Besinnlichkeit

Seeromantik im AdventNur allzu gern flüchten wir dann in die Welten von Lönnerberga und Aschenbrödel, frei von Smartphone und Konsumsucht.

Dabei liegt es ganz allein bei uns, ob wir abends den Fernseher einschalten oder uns in einem Buch verlieren oder herzlich lachen während eines guten alten Spieleabends mit lodernder Feuerzangenbowle.

Ob wir uns samstags ins Gewusel stürzen um die Geschenkeliste abzuhaken oder ob wir beim Spaziergang uns weit weg träumen in Märchenwelten und Alltagsfluchten. Da wird aus dem aufsteigenden Nebel über dem Stoppelfeld plötzlich die Gischt des Meeres, die der rauhe Küstenwind in feinsten Tröpfchen über den Strand hinweg fegt… (Sorry, die Freitagsgefühl Redaktion kann einfach nicht anders. Wie es sich für ein waschechtes Meerkind gehört, weckt das Meerweh im kleinsten Detail die Sehnsucht nach dem Ozean, und sei es nur das Rauschen der Autobahn.)

Herzlich willkommen in der Realität

Puh, eben habe ich mir diesen Text noch einmal durchgelesen. Und ich finde ihn schrecklich pathetisch. Eigentlich sitze ich mit Schnupfnase auf dem Sofa und die Augen fallen mir ständig zu.

Die Kerzen, der Punsch, die Nüsse und Mandarinen schmücken tatsächlich den Tisch neben mir und ich kann es kaum erwarten, mich der Romantik der Vorweihnachtszeit hinzugeben. Wie ich es liebe, all diese Klischees tatsächlich zu realisieren: Gemütliche Leseabende, romantische Schneespaziergänge, das Tingeln durch winzige Adventsmärkte weit ab vom Großstadtkommerz. Eine wahnsinnig stressige Woche liegt hinter mir und dank dieser kann ich nun umso mehr die Leichtigkeit des süßen Nichtstuns am Wochenende genießen.

Das ist der Punkt. Ich lebe dieses Adventsgefühl einfach. Atme es ein und fühle die Besinnlichkeit. Doch kleide ich es in Worte, klingt es wie gefühlsduseliger Rotz aus dem kostenlosen Wochenblatt.

Darum hat der Blogschnipsel diesmal nur einen Sinn: Schließe Facebook & Co., klapp` endlich den Rechner zu, schalte dein Smartphone stumm und mach etwas, dass dich glücklich strahlend die Zeit vergessen lässt.

Zeit der Besinnlichkeit?

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Und wenn die erste Kerze brennt, … Kult oder Kommerz?

  • 04/12/2017 um 13:57
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    Sehr schöner Blog-Beitrag 🙂 Find ich Klasse 😀 Bei mir gehört der Polarexpress in die Weihnachtszeit 😀

    Viele liebe Grüße
    Reyfakt vom Blog des Lebens

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    • 07/12/2017 um 0:14
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      Oh, so liebe Worte… 😊🎈 Den Polarexpress kenne ich noch gar nicht. Danke für den Tipp!

      Liebe Grüße von der Freitagsgefühl Redaktion

      Antwort
  • 01/12/2017 um 23:59
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    Hallo Wiebke,

    Glücklich strahlend habe ich Deinen Advents-Schnipsel gelesen. Danke dafür. <3
    Meine erhitzten Wangen kommen vom Glühwein, denn wir kommen grad vom erstaunlich überschaubaren Leipziger Weihnachtsmarkt, wo wir nach "Der Mann aus dem Eis" (Passage-Kino) waren. Ich habe mir eine überteuerte Stinktier-Mütze gekauft, die irre warm hält. Das reicht erstmal – ach ja, und mit "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" kann ich irgendwie nix anfangen, da gibt es deutlich schönere vorweihnachtliche Kultfilme. 🙂

    Liebe Grüße, Claudia

    Antwort
    • 02/12/2017 um 11:07
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      Genau so soll es sein. Nur: Stinktier?!? Welche Filme gehören denn für dich in die Vorweihnachtszeit?

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      • 02/12/2017 um 13:03
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        „Der Grinch“, „Nightmare Before Christmas“, „Charles Dickens Weihnachtsgeschichte“ und „Der kleine Lord“ 🙂

        Antwort

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