Hallo wach!

wachsam seine Umgebung wahrnehmenDiesen Freitag habe ich in einem Zustand akuter Übermüdung und Überarbeitung einen Blogbeitrag für euch gebastelt, der genau zum Gegenteil von Müdigkeit aufruft. Klingt doch verlockend, nicht wahr?! Mal so richtig wach sein? Oder lieber wachsam? …

Wachsam sein. Heute trägt dieser Ausdruck einen schalen Beigeschmack angesichts von Terror,  Reichsbürgern und AfD-Parolen. Bei einigen weckt es bittere Erinnerungen an bespitzelnde Nachbarn, andere denken an zähnefletschende Dobermänner hinterm Gartenzaun.

Wachsam sein, darin steckt das Lauernde, unterschwellige Aggression und versteckte Angst.

 

Achtsam oder wachsam?

Dabei lässt sich mit wenigen Buchstabendrehungen aus einem wachsam ein achtsam formen. Wachenden Auges durch die Landschaft zu gehen, haben die meisten Smartphone-Suchtis schon lange verlernt. Achtlos verschwenden wir unsere Umwelt, vergeuden wir unsere Zeit durch unnötige Eile und verurteilen vorschnell andere Menschen. Wir manövrieren uns geradewegs in eine Sackgasse und fragen uns hinterher verzweifelt, wie wir da nur hineingeraten konnten.

LichtblickDabei ist es so leicht, mal die Perspektive zu wechseln – einfach, indem man regelmäßig nach links und rechts über den Tellerrand schaut. Indem man den Kollegen und Freunden wirklich zuhört, statt insgeheim den eigenen Problemchen nachzuhängen. Wachsam sein, die kleinen Details am Wegesrand bemerken und sie wertzuschätzen, das klingt banal und antiquiert und abgedroschen zugleich.

Doch sei mal ehrlich: Wann bist du das letzte Mal in der Natur spazieren gewesen ohne Smartphone in der Tasche, ohne Musik im Ohr, ohne Verkehrslärm? Erinnerst du dich an die Leute, die dir beim letzten Gang nach draußen begegnet sind – wie sie gekleidet waren, ob sie glücklich oder bedrückt aussahen? Wann ist dir das letzte Mal aufgefallen, dass eine Schwangere oder ein alter Opa ungefragt deine Hilfsbereitschaft braucht?

Wachsamkeit ist ein probates Mittel gegen ein beständiges Um-sich-selbst-drehen. Es liegt an uns, ob wir uns ausschließlich selbst permanent zum Mittelpunkt unserer kleinen Welt auserkoren oder ob wir entdecken wollen, dass es da noch abertausend mehr gibt.

 

Aufeinander aufpassen oder blind aneinander vorbeilaufen?

Funkelndes AbendlichtVielleicht sollten wir dem „wachsam sein“ einen neuen Anstrich verpassen. Mir zumindest ist es so ergangen. War ich in der Großstadt nervös wachsam (vor allem nachts im dunklen Park), so schenkt mir die Wachsamkeit des Dorfes ein herrlich entspanntes Gefühl der Sicherheit.

Ich für meinen Teil bin lieber einer Welt, in der die Leute aufeinander aufpassen, als dass sie blind aneinander vorbei laufen.

Hier kann ich ohne Bedenken selbst mitten in der Nacht an die dunkelsten Orte flanieren. Hier eilen dir die Nachbarn zu Hilfe, wenn mal was schiefgeht. Hier helfen sämtliche Dorfbewohner, wenn eine Katze vermisst wird. Hier kann ich sogar ein Smartphone auf dem Gehweg verlieren, ohne dass es beschädigt oder geklaut wird. Ja, Letzteres ist mir tatsächlich passiert. Mein liebstes Minibüro, achtsam aufgehoben und fein säuberlich auf einer Parkbank sichtbar für den Finder abgelegt, wieder in den Händen zu halten, löst ein wahres Feuer an Freitagsgefühlen aus.

Heute bin ich dankbar für all diejenigen, die wohlgesonnen wachsam durch die Welt gehen!

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